Stars und Sternchen

Zugegeben – das Gespann aus VW T-Cross und dezenter Bereifung in 205/55 R 17 lässt Passanten nicht gerade verzückt den Kopf herumwirbeln. Muss es auch gar nicht, das kleine Kompakt-SUV bietet statt Aufsehen erstaunlich viel Fahrspaß und Komfort. Allerdings braucht es dafür den richtigen Reifenpartner. In unserem Test taten sich am oberen und unteren Ende zwei Kandidaten besonders hervor.

Inhaltsverzeichnis

 

Beginnen wir doch ganz bescheiden mit der sensationellen parallelen Teilnahme von gleich drei Neuheiten: dem Pirelli Cinturato C3, dem Michelin Primacy 5 und dem Falken Ziex ZE 320. Doch auch das übrige Feld steht sehr potent da: der vielerorts als Geheimtipp gehandelte Firestone Roadhawk 2, der bewährte Conti Premium Contact 7 und der Hankook Ventus Prime 4 K135, ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt. Ach ja, und damit das nicht zu einem reinen Premiumreifen-Check mutiert, haben wir aus dem Preiskracher-Lager einen Imperial Eco Sport 2 ins Portfolio gelegt. Imperial? Klingt selbstbewusst. Unvermeidliche Frage: Hält der Name den hohen Erwartungen stand? Da kommen wir später zu.

Ein Kurs mit einer Besonderheit

Zu Gast waren wir diesmal auf dem weitläufigen Testgelände von Pirelli im norditalienischen Vizzola Ticino, nur unweit entfernt von der quirligen Metropole Mailand. Vizzola ist weltberühmt vor allem für sein pfiffiges Nasshandling-Areal: Die an eine Brücke erinnernde markante Überhöhung zwischen zwei anspruchsvollen Kurven lässt das Fahrzeug auf dem Sattel für Sekunden ganz leicht und wenig später in der nachfolgenden Senke brettschwer wirken. Das soll vor allem eins bringen: Unruhe ins Fahrwerk und so Stärken wie Schwächen der Bereifung herauskitzeln. Die übrigen Kurven tun ihr Übriges: mal eng, mal weit und lang. Mal doppelt gezirkelt und mal zuziehend. Unzählige Wassersprenkler halten dabei den Kurs permanent unter einem definierten Wasserfilm. Der Testfahrer, der sich hier während jedes Turns im Grenzbereich bewegt, lernt so mit jeder Runde den tieferen Charakter des Reifens kennen. Das Erlebte wird anschließend dokumentiert und in Relation zu den anderen Testteilnehmern gesetzt. Am Ende des Tages haben alle Reifen dann sozusagen die Hosen runtergelassen.

Und diese schwarzen runden Dinger, die sich doch alle so zum Verwechseln ähnlich sehen, unterscheiden sich tatsächlich teils deutlich voneinander. Den Reigen im Nasshandling eröffnet der hauseigene Pirelli Cinturato C3, den wir zur Referenz auserkoren hatten. Hier auf seiner Heimstrecke sollte er sich doch pudelwohl fühlen. Und tatsächlich glänzt der temperamentvolle Italiener mit präzisem Lenkfeeling, gleichmäßigem Seitenkraftaufbau und absolut vorherseh- und beherrschbarem Verhalten bei Lastwechseln sowie plötzlichen Bremsmanövern. Mit dem eher untermotorisierten T-Cross (116 PS aus dreizylindrigem Minimalhubraum (1,0 l)) hat der neue Cinturato leichtes Spiel. Unsere Subjektiv-Gesamtnote nach einigen hitzigen Runden auf Nässe: Sehr gut!

Untersteuern und das Unterbewusstsein

Die beiden nächsten Kandidaten, der Conti und der Michelin, schlagen sich jeder auf seine Art recht wacker, reichen aber beide nicht an die Steilvorlage des neuen Pirelli heran: Beiden ist etwas zu ausgeprägtes Untersteuern – also das Schieben über die Vorderräder in Kurven – nicht fremd. Das allein könnte man wohlwollend als Schönheitsfehler abtun, auch ist es zunächst kaum mehr als ein Knick in der Fahrspaßkurve. Doch aus Erfahrung wissen wir, was diese Allüre oft nach sich zieht: einmal weniger, mal mehr spürbarer Drang zum Eindrehen in die Kurve bei Gaswegnahme, was so manchem Tester ein diskretes “Hoppala!” entlockt.

Die Vorahnung bestätigt sich, doch die Auswirkungen bleiben dank ESP im absolut hinnehmbaren Bereich. Spielt es dann überhaupt eine Rolle? Durchaus, denn ein vorbildlich fahrstabiler und nicht ein Eigenleben entwickelnder Reifen bietet schlicht mehr Fahrspaß. Diese Sicherheit überträgt sich auf den Fahrer, auch im Unterbewusstsein. Für den Conti gibt es noch die Note “Gut”, der Michelin muss sich beim Nasshandling mit einem “Befriedigend” abfinden.

Nach einer Wiederholungsrunde mit dem vorgetesteten Referenzreifen (Pirelli) begutachten wir nun den Hankook. Seit vielen Jahren fest in der Erstausrüstung der Automobilhersteller verankert, haben wir einen eher souveränen Auftritt erwartet. Doch überraschenderweise tut sich der Ventus Prime auf dem italienischen Kurvengeläuf etwas schwer: Die Lastwechselreaktionen durchbrechen den Wellness-Sektor, das Eigenlenkverhalten ist leicht gestört. Und die Bremsstabilität in zugegebenermaßen sehr anspruchsvollen Kurven – nun, da haben wir schon Besseres gesehen. Wir nehmen es erst mal so zur Kenntnis und attestieren dem Südkoreaner ein zunächst etwas ernüchterndes „Befriedigend“.

Die Tage des Falken

Stand jetzt wissen wir bereits: Wir haben es mit einem sehr illustren Teilnehmerfeld mit doch stark unterschiedlichen Eigenschaften zu tun. Groß ist daher die Neugier auf Neuheit Nummer drei, den Falken. Falken zählt zur japanischen Sumitomo-Gruppe, die nicht immer, aber oft genug Top-Produkte liefert und auch schon mal mit einem Knüller um die Ecke kommt. Das hier ist so ein Fall. Reden wir nicht lange herum: Mit dem neuen Ziex ZE 320 ist Falken nicht nur ein Zungenbrecher, sondern vor allem ein exzellenter Kurven-Künstler gelungen, der schon jetzt neugierig auf die übrige Performance macht. Was zeichnet ihn aus? Den T-Cross wickelt er quasi um den gummierten Finger, jagt ihn maximal stabil durch die Kurven. Kein Schieben hier, kein Wackeln dort, stoische Ruhe, wie am Lineal gezogen. Alle Achtung: Konstruktion und Gummimischung harmonieren offensichtlich perfekt. Sehr gut!

Sprachen wir vorhin nicht von charakterlichen Unterschieden? Nach den Paradeläufen von Pirelli und insbesondere Falken erleben wir nun die andere Seite der Reifen-Medaille. Es ist der chinesische Imperial, der uns das untere Ende der Leistungsskala aufzeigt. Spricht er aus der Nulllage der Lenkung heraus noch recht gut an, zeigt er im weiteren Testbetrieb so ziemlich alle Unarten eines unausgewogenen Gummis. Die Lastwechselreaktionen fallen heftig aus, das ESP hat alle elektronischen Hände voll zu tun. Der Nässegriff, er ist ganz klar gestört und lässt eine runde Fahrweise nicht zu. Ein gerade noch knappes „Ausreichend“ ist das Testat. Für den Normalfahrer heißt das: Obacht, zurückhaltende Fahrweise bei Regen ist Pflicht. Stand der Technik ist der “Imperator” gewiss nicht.

Den verkörpert hingegen der sehr ausgewogene Firestone, der zweite Japaner im Septett. Der Roadhawk 2 („Straßenfalke“) leistet sich keinerlei Schwächen, bleibt jederzeit gut beherrschbar, lenkt willig ein, bleibt ein verlässlicher Partner. Dies geschieht nicht ganz auf dem hohen Niveau von Falken und Pirelli, doch bleibt er dem Japan-Italien-Duo stets dicht auf den Fersen. Deshalb: “Gut”

Von nass zu trocken

Neue Runde, neues Glück: Das Trockenhandling – hält auch dieses noch weitere Überraschungen bereit? Wir verlassen dafür Vizzola und steuern das internationale Testgelände von Fahrzeuggigant Stellantis in Balocco an, ca. 50 Kilometer von Vizzola entfernt. Der Kurs ist schnell, mit kniffligen Schikanen, schnellen Kurvenwechseln und ganz unterschiedlichen Radien. Legen wir also los.

Das Dream-Team aus Falken (Sehr gut) und Pirelli (Gut), es scheint sich abgesprochen zu haben und belegt erneut die Plätze 1 und 2 auf diesem hoch-sportlichen Terrain. Doch auch ein Tusch für den Firestone, der sich nur knapp hinter dem Pirelli einordnet. Und selbst der zuvor im Nassen etwas blass anmutende Hankook kann nun ebenfalls mit einer guten Benotung Boden zurückerobern.

Eine präsentable Bewertung verdienen sich übrigens die Teilnehmer, die – ganz ähnlich wie beim Nasshandling – in ihren Lenkreaktionen absolut vorhersehbar sind, Kurven ohne auffällige Marotten durcheilen und beim Bremsen stur in der Spur bleiben. Da das Ganze bei wesentlich höherem Tempo abläuft, ist eine gute Platzierung hier ein Indikator für einen in unfallträchtigen Situationen gut unterstützenden Reifen: der berühmte Traktor aus dem Feldweg von rechts oder auch der Mittelspurfahrer, der ohne Vorwarnung nach links ausschert.
Erneut sind es Michelin und Conti, die hier nicht ganz ihre Linie finden. Der Hannoveraner ist einen Tick zu gierwillig (heißt: er drückt mit dem Heck bei Lastwechseln nach), der Franzose entscheidet sich für stoisches Untersteuern und raubt sich dadurch etwas zu viel Fahrspaß. Doch halten wir versöhnlich fest, dass diese Eigenarten im Normalbetrieb praktisch nicht in Erscheinung treten – Befriedigend.

Bleibt noch unser „Bad Boy“ vom Nasshandling, der Imperial. Kann er hier auf trockener Piste das Ruder herumreißen? Knappe Antwort: nein. Wieder gibt er sich eher wie ein ungezogener Pistenschreck denn als souveräner Kurvenmeister. Wieder lässt er das ESP glühen und wir ahnen, wie dieses fernöstliche Produkt sich wohl ohne das so segensreiche Stabilitätsprogramm verhielte. Das Fatale: Auch hier gilt die oben getroffene Feststellung zu der unsichtbaren Grenze. Bleibt der Fahrer unterhalb eines gewissen fahrdynamischen Limits, treten die fiesen Unarten kaum oder allenfalls lästig auf. Doch jenseits dieser Barriere hört der Spaß auf.

Info: Teststrecken verschleißen zwangsläufig durch den starken Betrieb mit der Zeit. Deshalb wird der Asphalt regelmäßig überprüft und bei Unterschreiten eines Haftungs-Grenzwerts erneuert. Hier gilt es, praxisnahe Reibbeiwerte einzustellen. Ist er zu niedrig, gerät der Test zum Eiertanz. Ist er zu hoch, treten Unterschiede nicht deutlich genug hervor. Wir wählen stets Strecken, die das goldene Mittelmaß darstellen.

Am „griffigsten“ ist Asphalt übrigens in der ersten Stunde nach einem kräftigen Regenguss: Die „Täler“ im Mikro-Asphaltgebirge sind dann von Staub, Brems- und Reifenabrieb reingewaschen. Ist die Straße nun trocken, kann sich der Reifen so vorübergehend besser mit den Spitzen des Asphalts verzahnen – ein Haftungs-Plus auf Zeit.

Und wer steht am schnellsten?

Flottes Handling erfordert aber auch beste Bremshaftung auf Nässe und im Trockenen, denn schließlich muss vor jeder Kurve verlässlich verzögert werden können. Darüber hinaus braucht es stille Reserven, die in brenzligen Situationen – etwa bei einer Vollbremsung vor einem Hindernis – darüber entscheiden, ob man gerade noch zum Stehen kommt oder einschlägt.

Auf trockener Fahrbahn setzt sich im Test wieder der Falken klar an die Spitze des Feldes – fast schon keine Überraschung mehr nach den exzellenten Handling-Ergebnissen. Mit 35,47 Metern aus 100 km/h bis zum Stillstand nimmt er den bis auf den Millimeter exakt gleich stark bremsenden Conti und Pirelli (36,54 m) gut einen Meter ab. Es folgen dichtauf der Hankook und der Firestone, die ebenfalls ein “Gut” einfahren. Der Michelin gönnt sich noch einmal einen halben Meter mehr und muss sich mit einem “Befriedigend” begnügen. Der Imperial schießt mit 40,06 Metern jedoch weit über den Zielkorridor hinaus und kassiert mit 33,8 km/h Restgeschwindigkeit gerade noch so eben ein “Ausreichend”. Noch etwas weiter und es wäre das vorzeitige Aus für den Chinesen gewesen, denn wer bei sicherheitsrelevanten Disziplinen wie etwa dem Bremsen ein “Mangelhaft” einfährt, bekommt auch in der Gesamtwertung diese Note – egal wie gut er in anderen Disziplinen abschneidet.

Und wie schlagen sich unsere Aspiranten auf nasser Fahrbahn? Dreimal dürfen Sie raten. Richtig! Der Falken steht nach sehr guten 23,19 Metern aus 80 km/h still. Mit knapp einem Meter Abstand folgen Schlag auf Schlag die guten Conti, Pirelli und Firestone. Für den Michelin bleibt mit 25,57 Metern die Note “Befriedigend”, doch Hankook und Imperial satteln nochmal einen Meter mehr Bremsweg drauf und kassieren dafür nur noch ein “Ausreichend”.

Ein paar Runden Wasserski

Aquaplaning ist bekanntermaßen eine tückische Angelegenheit. Es tritt als Längs-Version bei Regen meist in tieferen Spurrinnen sowie regengefüllten Senken auf der Autobahn auf oder überrascht als Quer-Variante in überfluteten Schnellstraßen-Abfahrten und macht den Fahrzeuglenker augenblicklich zum machtlosen Passagier. Die Reifen schwimmen auf, das Auto lässt sich, bis es wieder Fahrbahnkontakt hat, weder bremsen noch lenken. Gut, wenn die Reifenhersteller hier über die Profilgestaltung ordentlich Vorsorge getroffen haben. Im Fall unserer Testkandidaten kann man das durchweg behaupten. An die Spitze des Feldes setzte sich beim Längs-Aquaplaning mit beachtlichen 81,9 km/h Aufschwimmgeschwindigkeit der Firestone, dicht gefolgt von Pirelli, Falken und Michelin – alle “Sehr gut”. Der Conti bildet mit immer noch respektablen 78,9 km/h das Mittelfeld. Imperial und Hankook fallen etwas zurück, bieten aber immer noch befriedigende Werte.

Beim Thema Quer-Aquaplaning ist es erneut der Firestone, der mit strammen 97,7 km/h Abriss-Tempo die Bestmarke setzt, Pirelli, Conti und Imperial folgen und erhalten ebenfalls ein “Sehr gut”. Der Michelin und der Falken ergattern mit immerhin noch knapp über 90 km/h ein “Gut”. Für den Hankook bleibt trotz respektabler 87,4 km/h in dieser Test-Disziplin nur die rote Laterne. Abseits aller fortschrittlichen Reifentechnik bleibt aber stets der Appell an die Vernunft, um Aquaplaning in jeder Form zu vermeiden: einfach langsamer fahren.

Auf die Rolle genommen

Vor 15 Jahren noch krähte kaum ein Hahn danach, heute ist der Reifen-Rollwiderstand, kurz Rowi genannt, in aller Munde. Die Automobilhersteller fighten im Flottenverbrauch um jedes Gramm CO2, da stehen besonders effizient abrollende und damit spritsparende oder reichweitenverlängernde Pneus natürlich ganz oben im Lastenheft für die erstausrüstenden Reifenhersteller.

Doch das hat seine Tücken. Guter Rollwiderstand und bester Nassgrip galten lange als kaum vereinbar. Doch die Reifenindustrie findet Stück um Stück Wege, mit immer ausgeklügelteren Gummimischungen das Dilemma dieses Zielkonflikts aufzulösen. Bis das komplett gelungen ist, gilt aber zumindest für “Die Reifentester”: Fahrsicherheit im Handling und beim Bremsen sind die wichtigsten Kriterien, weshalb wir den Rollwiderstand nach wie vor nur mit fünf Prozent in die Test-Gesamtwertung einfließen lassen.

Firestone und Michelin haben ihre Rowi-Hausaufgaben in unserem Testfeld besonders gut gemacht und setzen sich jeweils mit 7,2 kg/t an die Spitze. Mit 7,7 bis 8,0 kg/t bilden Hankook, Conti und Pirelli das gute Mittelfeld. Der Falken fällt mit befriedigenden 8,6 kg/t etwas zurück. Der Imperial grüßt mit 8,8 kg/t von hinten.

Ohren auf beim Reifenkauf

Reifen sind tägliche Begleiter – bei der Fahrt zum Supermarkt wie auch auf dem Weg in den Urlaub. Man schätzt ihre Qualitäten, vertraut in ihre Fähigkeiten, will sie aber trotzdem möglichst kaum hören. Bei der Innenraum-Geräuschmessung – nicht zu verwechseln mit dem Vorbeifahrgeräusch von außen, das auf dem EU-Label angegeben wird – schlugen sich die Testkandidaten durch die Bank wacker. Die Unterschiede auf den verschiedenen Testbahnen mit glattem und rauem Asphalt sowie auf der Schlechtwegebahn waren gering, aber dennoch hörbar. Am leisesten präsentierten sich Pirelli und Conti, gefolgt vom breiten Mittelfeld aus Firestone, Hankook, Imperial und Michelin. Der in dieser Prüfung letztplatzierte Falken mochte nur den rauen Asphalt nicht so gerne und produzierte hier eine zwar nur dezent vernehmbare, aber stetig brummende Geräuschkulisse.

Die schlucken was weg!

In Sachen Abrollkomfort konnte das Testfeld komplett überzeugen. Schlechtwegebahn, Kopfsteinpflaster, Beton-Querfugen – das alles schluckten die Pneus tapfer weg. Besonders hervor taten sich hier abermals der Pirelli, aber auch der Michelin. Sie kassierten dafür ein “Sehr gut”. Falken, Firestone, Hankook, Conti und Imperial konnten jeweils ein “Gut” für sich verbuchen.

Für die Kurzcharakteristika der getesteten Reifen klicken Sie bitte auf das +-Zeichen oder den Reifennamen

 

Der klassische Allround-Sommerreifen aus dem Hause Continental trägt selbstbewusst den Begriff Premium in seinem Namen. Und an anderer Stelle ist der Niedersachse diesem Anspruch völlig gerecht geworden. Zumindest in diesem Vergleichstest vermag sich der Conti nicht so recht in Szene zu setzen, er setzt keine Duftmarken. Beim Handling nass wie trocken, aber auch bei den beiden Brems-Disziplinen kommt er aus mittleren Bewertungssets nicht heraus. Damit ist der Conti zwar immer noch im Vergleich ein guter Reifen, aber eben nicht das Maß der Dinge, was Continental oftmals ist.

Schon recht früh zeichnete sich in unserem Test ab, dass der Falken das Zeug zu einem Siegertyp hat. Er erfüllt in der Kategorie Allround-Reifen nicht nur eher unerwartet hohe sportliche Ansprüche, sondern paart diese auch noch mit konsistenter Ausgewogenheit und mehr als brauchbarem Komfort. Der Ziex vermittelt sehr viel Vertrauen und Fahrfreude und lässt die Vermutung zu, dass seine Entwickler das Erfolgsrezept auch auf andere Reifengrößen übertragen werden.

Es gibt Reifen in Tests, die sich zunächst eher unauffällig verhalten und erst durch ein ausgewogenes Gesamtbild zum Schluss ins Scheinwerferlicht kommen. Der Roadhawk Nummer Zwo ist so ein Kandidat. Beim Handling und beim Bremsen, egal ob trocken oder nass, kann er einem Platzhirsch wie dem Conti absolut Paroli bieten. Er fährt sich rundum angenehm, ohne Tücken, ohne Unwägbarkeiten. Sein Charakter ist nicht so dominant wie beim Pirelli oder Falken, doch seine Verlässlichkeit und Berechenbarkeit machen ihn zu einem treuen Begleiter im Alltag.

Reifen-Fans wissen es: Ausgewogenheit ist das Rezept für vorderste Plätze. Dass der Hankook in diesem Vergleichstest nicht ganz vorne landet, liegt schlicht daran, dass der Ventus Prime sich nur akzentuiert in Szene setzen kann. So spielt er etwa beim Trockenbremsen durchaus vorne mit, kann das in der Nass-Variante aber nicht wiederholen. Und auch beim Handling attestieren wir ihm einen Nassgriff, der mit den Mitbewerbern nicht ganz mithalten kann. Und doch: Der Hankook hat zwar in diesem Test keine überragende Rolle gespielt, doch seiner Alltagstauglichkeit tut dies dennoch keinen Abbruch. Nur bei Nässe ist eine gewisse Zurückhaltung angebracht.

Nehmen wir es vorweg: Der wohlklingende Imperial hatte ob der starken Konkurrenz in diesem Test einen mehr als schweren Stand und konnte insgesamt ein gerade noch ausreichendes Ergebnis einfahren. Als klassischer Billigreifen-Vertreter patzt er gerade in den Fahrsicherheitskriterien deutlich. Besonders bei Nässe, aber auch trocken ist sein Fahrverhalten, gemessen am Mitbewerber-Standard, im Grenzbereich tückischer, die Notwendigkeit des oft regulierenden ESP ist offensichtlich. Das sich im Alltag wahrscheinlich recht früh einstellende Unsicherheitsgefühl ist durch den deutlich günstigeren Preis nicht zu rechtfertigen.

Neben dem Conti ist Michelin der zweite Reifen, der seinem großen Namen nicht hundertprozentig gerecht wird. Der Primacy in fünfter Generation ist ein braver Untersteuerer, der fahrdynamisch gar nicht die erste Geige spielen will. Er ist ein zuverlässiger, angenehmer Zeitgenosse und verrichtet seinen Dienst ohne Auffälligkeiten. Das Konzept geht auf und er streicht insgesamt ein gutes Ergebnis ein. Er rollt sehr komfortabel ab und dürfte nach unseren Erfahrungen auch einer der langlebigsten im Alltag sein.

Neben Falken und Michelin ist der Pirelli die dritte Neuheit in unserem Test. Mehr als es die Punktezahl widerspiegelt, ist der Pirelli klar ein sehr starker zweiter Gewinner, spielt wie der Falken in einer anderen Liga. Dass es nicht ganz zum Testsieg gereicht hat, liegt vor allem an den erzielten Bremswegen trocken und nass, hier ist der Falken als schärfster Konkurrent punktetechnisch schlicht davongezogen. Doch unterhalb dieser hochdynamischen Schwelle repräsentiert der neue C3 quasi den Prototyp eines modernen Reifens: fahrsicher, sportlich, ausgewogen, komfortabel. Das ist nun nichts völlig Neues, doch Pirelli ist es gelungen, das Niveau vom C2 zum C3 deutlich anzuheben.

Wer hätte das gedacht? Selbst Reifen im zurückhaltenden Format 205/55 R 17 können ganz Erstaunliches leisten. Aus dem eher biederen und gewiss nicht übermotorisierten VW T-Cross kann der richtige Reifen ein fahraktives und durchaus Vergnügen bereitendes Gefährt zaubern. Keine neue Erkenntnis hingegen ist, dass kein noch so renommierter Reifenhersteller ein Abo auf Top-Platzierungen hat. Und wir lernen, dass weniger prominente Hersteller für so manche Überraschung gut sind. Der brandneue Falken gewinnt diesen Test, weil er praktisch alles richtig macht. Er vermag ebenso betont sportliche Ambitionen zu befriedigen wie zu einer gemütlichen, komfortablen Spazierfahrt einzuladen. Mit nur leichten Abstrichen, aber ebenfalls auf dem hohem Niveau spürbarer Ingenieurskunst weiß auch der neue Pirelli zu gewinnen – ebenso wie der Firestone, der sich unauffällig aber beständig nach vorne gearbeitet hat. Er belegt mehr als überzeugend den dritten Platz. Mutiert der T-Cross, intelligent bereift, also zum GTI-Killer? Nun – das wohl doch nicht.

Continental und Michelin, die ewigen Konkurrenten, beide berühmt und sieggewohnt, streichen ebenfalls gute Ergebnisse ein, doch gerade mit ihren Vorschusslorbeeren hatten wir noch mehr Präsenz und Stärke erwartet. Doch wie bereits an anderer Stelle erwähnt: Im Normalbetrieb spürt der Käufer diese für uns Reifentester wahrnehmbaren Unterschiede eher nicht, sie treten erst bei forcierter Fahrweise oder in prekären Situationen hervor. Das gilt uneingeschränkt auch für den Hankook, der sich mit dem weniger attraktiven sechsten Platz begnügen muss. Ist ein „befriedigend“ nun eine Abwertung im eigentlichen Sinne? Mathematisch ja. Weniger Punkte = schlechtere Bewertung. Dennoch ist auch der Hankook eine Kauf-Überlegung wert – er tanzt halt nur nicht ganz so locker auf der Party der Top-Platzierten mit.
Apropos tanzen: Der Imperial zuckt ja durchaus gerne und schiebt speziell auf Nässe die Hüften weit raus, doch sehen wir das aus fahrsicherheitstechnischer Sicht nicht so gerne. Da er zudem beim Bremsen haarscharf an einem blamablen Wertungsausschluss vorbeirauschte, können wir diesen Reifen nach bestem Wissen und Gewissen nicht weiter empfehlen. Hier trifft der altbewährte Spruch: Wer billig kauft, kauft zweimal. Dann lieber einmal richtig – Auswahl gibt es genug.

Text: Dirk Vincken und Joachim Fischer
Fotos: Dirk Vincken

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