
Dieser Sommerreifentest in der auf Audi Q3 oder auch VW Tiguan beliebten Vernunftgröße 235/55 R 18 ist der logische Gegenspieler zu unserem letzten Winterreifen-Check: Im Herbst letzten Jahres ließen wir einen dieser modernen Ganzjahrespneus gegen eine Phalanx aus topaktuellen Marken-Winterreifen antreten. Das ebenso überraschende wie erschütternde Ergebnis: Frech katapultierte sich der Allwetterreifen – wenn auch außerhalb der Wertung – im Ergebnis ins Mittelfeld des Tests, ließ so manchen Platzhirsch des Schneereviers hinter sich. Die Allmacht der reinen, der puren Winterreifen ist seither heftig in Zweifel gezogen. Majestätsbeleidigung? Revolution? Mindestens!
Und weil die alten, in unzähligen Tests der Vorjahre gewonnenen Ewigkeits-Grundsätze („Sommerreifen im Sommer, Winterreifen im Winter. Punkt.“) so schamlos über Bord geworfen wurden, haben wir ziemlich ungeniert erneut jeglichen Respekt fahren lassen und es wieder getan. Nur ist das Vorzeichen ein anderes: Jetzt tritt eine Combo aus testbewährten und teils brandneuen reinen Sommerreifen an, einem anderen bekannt guten Ganzjahresgummi das Fürchten zu lehren. Irgendwo müssen diese AllSeason-Dinger doch ihre Grenzen haben? Oder stimmen die ganzen früheren Leitlinien überhaupt nicht mehr? Zur Beruhigung und zur Aufklärung: Doch, sie stimmen noch. Zumindest in den Sommermonaten. Und da sogar recht eindeutig. Doch der Reihe nach.

Fünf plus 1 Kandidaten
Aprilia ist ein nettes Küstenstädtchen, irgendwo tief im Süden Roms. Am riesigen eingezäunten Testgelände von Reifenhersteller Bridgestone fährt man fast vorbei, würden nicht wenigstens die im Wind flatternden Fahnen mit dem Markenlogo den Weg weisen. Im Innern des Areals erwartet uns das, was uns immer bei den Profis empfängt, die uns für eine Woche ihr Gelände überlassen: anspruchsvolle Handlingstrecken, Bremspisten, Aquaplaningbecken, Rüttelbahnen. Montagehallen, Messequipment, Datenlogger, Mikrofone und GPS-Tracker. Und exklusiv bei Bridgestone: ein stets bereiter Lavazza-Kaffeeautomat. Es kann also losgehen.
Roll-out für unsere 5 plus 1 Kandidaten: den Bridgestone Turanza 6 als Referenz, den Continental Premium Contact 7, den noch frischen Falken Ziex ZE 320, den Michelin Primacy 5 und den flammneuen Nokian Tyres Powerproof 2. Allesamt Vertreter der HP-Fraktion. HP bedeutet High Performance. Wir nennen diese Kategorie weniger reißerisch Touring- oder auch Allround-Reifen. Und von der Seitenlinie gesellt sich der angekündigte Ganzjahres-Vertreter dazu, ein Bridgestone Turanza All Season 6. Mögen die Sommerspiele beginnen.
Zuerst die Kurvenhatz
Eine funkgesteuerte Schranke gibt den Weg frei zum Nasshandling. Ein Geflecht aus Kurven und Radien aller Art. Langgezogen schnell bis eng und zirkelig. Ein Lastwechsel hier, ein Grenzbereichs-Check dort. Immer am Limit, konzentriert, den Referenzreifen im Hinterkopf abgespeichert. Ist der Seitenkraftaufbau noch gleichmäßiger, bleibt die Hinterachse noch länger bremsstabil? Nach einigen schnellen Runden sind es der neue Nokian und der seit Jahren dominante Conti, die auf dem nassen Parcours die Puppen zum Spiel der Wassersprenkler tanzen lassen. Jede Linie passt, der Nassgriff langt zu, das Eigenlenkverhalten ist klar definiert. Das bereitet Fahrfreude und vermittelt Fahrsicherheit. Kaum schlechter macht es der Falken, der die gleiche Performance wie das Vorzeige-Duo abliefert – nur auf geringfügig niedrigerem Niveau.

Der Bridgestone gibt sich etwas indifferent, weiß nicht so recht, seinen Charakter offenzulegen. Er bleibt auch bei forcierter Gangart etwas zögerlich, dreht bei Gaswegnahme eine Spur zu stark ein. Alles nicht tragisch, alles im Gesamtpaket „noch gut“. Und der Michelin? Er ist und bleibt klar untersteuernd, etwas ohne Esprit, aber auch frei von Allüren. Ein bei Nässe zuverlässiger Geselle, ein brav-verlässlicher Alltags-Kämpfer.
Okay, das letzte Pferd trabt nun aus dem Stall – der Ganzjahresgummi ist bereit zum Ritt durch die nasse Arena. Um es kurz zu machen: Naja, passt schon. Etwas ausführlicher: In engen Kurven wirkt der AllSeason schnell überfordert, auch ist der Lenkwinkelbedarf erkennbar höher als bei den reinen Sommerschnitten. Die forcierte Fahrweise auf dem beregneten Kurs ist nicht so sein Ding. Er lässt die Tour brav über sich ergehen, vermittelt aber recht klar die Erkenntnis, dass Nasshandling nicht seine Domäne ist. Der Punkt geht also an das Sommerlager.
Wir wechseln die Strecke und die Test-Disziplin: Trockenhandling ist an der Reihe. Hatten wir hier einen krassen Einbruch des AllSeasons erwartet, wurden wir eher positiv überrascht: Der Ganzjahres-Bridgestone bewegt sich auf sehr ähnlichem Niveau wie sein Sommer-Bruder: Alles geschieht gut beherrschbar, leicht verzögert, das Fahrzeug drängt am Kurvenausgang etwas nach. Dabei bleibt alles stets überschau- und beherrschbar. Selbst ein im Ansatz sportliches Talent können wir dem Duo attestieren.

Apropos sportlich: Hier outen sich Nokian und Falken als ausgesprochen kurven-freudig. Exakt, spurstabil, angenehmes Feedback: so heimst sich das finnisch-japanische Duett ein „fast sehr gut“ als Note ein. Bleiben noch der Franzose und der Deutsche: Der Michelin weiß durch ausgewogenen Fahrstil zu gefallen, auch er folgt treu der Kurvenlinie, lässt sich nach Lastwechseln nicht aus der Ruhe bringen – c’est bien! Das gilt auch für den Conti, der unauffällig sowie sehr ausgewogen und damit gut agiert.

Dann voll aufs Pedal!
Jetzt geht’s ans Eingemachte: Die Vollbremsungen auf trockener und nasser Fahrbahn sind bei Reifentests meist schon vorentscheidend für das Gesamtergebnis eines Pneus. Denn das Bremsergebnis aus 80 km/h auf konstant bewässerter Fahrbahn sowie aus 100 km/h im Trockenen geht bei “Die Reifentester” jeweils mit gewichtigen zwanzig Prozent (bei Sommerreifentests) in die Gesamtwertung ein. Das ist auch gut so, denn hier geht es um die Sicherheit. Wer bei einer Notbremsung noch Reserven hat, ist klar im Vorteil und kann einen potentiellen Unfall vielleicht noch verhindern.

Wir starten auf Nässe. Acht bis zehn Durchgänge pro Satz fordern Mensch und Maschine so einiges ab. Am Ende glühen der rechte Fuß und das im Cockpit installierte Laptop. Das Ergebnis: Mit 33,94 Metern ist der Test-Seriensieger Conti Premium Contact 7 auch diesmal der King unter den Nassbremsern. Die Konkurrenz holt inzwischen allerdings mächtig auf. Der neue Nokian Tyres Powerproof 2 schiebt sich mit 34,0 Metern oder 3,4 km/h Restgeschwindigkeit bis auf sechs Zentimeter an den Conti heran. Das ergibt für beide ein “sehr gut”. Es folgt mit etwas Abstand der Michelin mit 34,9 Metern (13,5 km/h) und der Falken, der mit 36,1 Metern schon gut zwei Meter oder 19,8 km/h Restgeschwindigkeit gegenüber dem Testbesten aufweist. Dennoch sichern sich beide ein “gut”. Mit 36,5 Metern (21,4 km/h Resttempo) bleibt für den Bridgestone Turanza 6 nur ein “gutes” befriedigend. Der außer Wertung startende All Season trägt auch hier die rote Laterne, erbremst sich mit 37,7 Metern oder 25,5 km/h Resttempo gegenüber dem Bremsbesten noch ein “befriedigend”. Dennoch zeigt sich: Die vermeintlichen Alleskönner offenbaren auch hier noch Schwächen.

Beim ABS-Ankerwurf aus 100 km/h auf trockener Fahrbahn trennte sich die Spreu vom Weizen und offenbarte unerwartet deutliche Unterschiede. Klarer Sieger: Der Falken mit beeindruckenden 33,6 Metern. Es folgt der bewährte Conti mit 34,2 Metern. Das ergibt eine Restgeschwindigkeit von 13,5 km/h mit der das Conti-bereifte Auto noch am bereits stehenden Falken-Q3 vorbeirollen würde. Der Bridgestone Turanza 6 und der Nokian schenken sich dagegen nicht viel. Mit im Schnitt 35,6 und 35,7 Metern (Nokian) liegen sie eng beieinander, brauchen aber rund zwei Meter mehr bis zum Stillstand als der Falken. Daraus ergeben sich Restgeschwindigkeiten von 23,8 und 24,2 km/h. Im Fall der Fälle scheppert es da schon vernehmlich… Deshalb gibt’s hier für beide nur noch ein “befriedigend”. Danach fängt die rote Laterne allmählich an zu glimmen: Der Michelin steht erst nach 37,23 Metern oder 31 km/h Restgeschwindigkeit und fällt damit klar zurück.
Und der AllSeason? Nun, der braucht mit 38,98 Metern oder knapp 37 km/h Rest-Tempo eindeutig zu lange, um zum Stillstand zu kommen. Das ist gerade noch “ausreichend” und offenbart, wo das größte Handicap dieses Reifentypus steckt: beim Trockenbremsen. Es ergibt sich aus dem konzeptbedingten Kompromiss. Das der Wintertauglichkeit geschuldete Paket aus weicherer Gummimischung und zahlreichen Profileinschnitten (Lamellen) fordert hier seinen Tribut in Form von Metern. Da gibt’s nichts zu beschönigen, aber auch nichts zu dramatisieren, man muss es einfach nur wissen.

Gegen alle Widerstände
Jetzt das Trendthema: Der Rollwiderstand, kurz Rowi genannt. Der steht momentan ganz oben auf der Agenda der Automobilhersteller, denn er hat direkten Einfluss auf den Spritverbrauch. Gemessen wird er in Kilogramm pro Tonne Fahrzeuggewicht (kurz: kg/t) auf einer Maschine. Je geringer der gemessene Wert, desto leichter rollt der Reifen ab. 20 bis 30 Prozent Differenz beim Rowi können zwischen 0,3 und 0,5 Liter Minderverbrauch bedeuten, so die Faustregel. Das ist in Zeiten, in denen durch politischen Zwang um jedes Gramm CO2 – oder jeden Kilometer elektrische Reichweite – gekämpft wird, schon eine ganze Menge. Logisch also, dass die Reifenindustrie zumindest in der Erstausrüstung für die Automobil-Hersteller Pneus mit möglichst guten Rollwiderstandswerten liefern muss. Im Fall unseres Tests gelingt ihr das auch im Reifen-Ersatzgeschäft ganz ausgezeichnet. In der gerade auf Kompakt-SUVs wie VW Tiguan oder Audi Q3 beliebten Dimension 235/55 R 18 glänzen der Bridgestone Turanza 6 und der Michelin Primacy 5 mit einem exzellenten Rowi-Wert von 6,3. Dafür gibt es ein glattes “sehr gut”. Nur knapp dahinter liegen mit “gut” der Falken Ziex ZE 320 (6,7 kg/t) und der brandneue Nokian Powerproof 2 (6,8). Der von der Konstruktion her schon etwas ältere Conti bringt es auf 7,3 kg/t, was aber immer noch für ein “gut” reicht. Der außer Wertung laufende All-Season-Bridgestone liegt mit 7,2 kg/t sogar noch einen Tick besser als der Test-Seriensieger aus Hannover.


Wasser marsch!
Von Profis gefürchtet und dennoch von vielen noch immer maßlos unterschätzt wird das Längsaquaplaning, das insbesondere in Senken oder tieferen Spurrinnen auf Autobahnen und Landstraßen unvorhersehbar lauert. Leichtsinnige brettern trotzdem bei oder nach Starkregen noch immer mit 150 km/h über die linke Spur, als gäbe es kein Morgen. Wer dabei in eine der tiefen Pfützen gerät, kann erleben, wie man in Sekundenbruchteilen vom Fahrer zum Passagier wird. Die Reifen schwimmen auf, fahren Wasserski. Die Folge: Das Auto reagiert weder auf Lenkung noch auf Bremsen, Assistenzsysteme versagen – nichts geht mehr. Dann braucht man Glück! Im Rahmen der physikalischen Möglichkeiten treffen die Reifenhersteller deshalb so gut wie möglich Vorsorge, geben ihren Pneus durch die Profilgestaltung die aus ihrer Sicht bestmögliche Wasserverdrängung mit auf die Reise. Im konstant mit sieben Millimetern Wasserhöhe gefluteten Längsaquaplaning-Becken wird die Gefahrensituation im Test bis zum Haftungsabriss simuliert – und die Sommer-Pneus geben sich keine Blöße: Mit 80,8 km/h Aufschwimmgeschwindigkeit setzt der Falken die Bestmarke, der Bridgestone Turanza 6 absolviert die Gefahrenübung mit 76,8 km/h als letzter im Testfeld noch immer gut. Der All Season aus gleichem Hause fährt sich mit 78,6 km/h sogar ins obere Mittelfeld. Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen: Wir reden von rund 80 km/h Abfluggeschwindigkeit, nicht von 150 km/h!

Ähnlich verhält es sich beim Queraquaplaning, das etwa in Zu- und Abfahrten auf Autobahnen oder Schnellstraßen auftreten kann. Da dies im Ernstfall bedeutet, dass man geradeaus statt um die Kurve fährt, weil die Lenkung nicht mehr reagiert, sind auch hier erhöhte Vorsicht und maßvolle Tempi geboten. Wichtig zu wissen: Nicht nur die maximale, zugegebenermaßen plakative Abrissgeschwindigkeit – im Test lag sie durchweg bei rund 70 km/h – ist hier entscheidend. Vielmehr geht es auch um das Verhalten des Reifens vor und nach dem Maximum. Deshalb ist dieses Mal der Mittelwert der Querbeschleunigung (in m/s2) im Bereich zwischen 50 und 90 km/h entscheidend, gemessen in 5 km/h-Schritten. Star in der Manege ist hier ganz klar der neue Nokian Tyres Powerproof 2 mit über 10 Prozent Vorsprung auf den guten Bridgestone Turanza 6. Es folgen knapp dahinter der Conti und der Michelin mit identisch guten Leistungen. Schlusslicht, aber noch immer gut, ist der Falken. Und unser AllSeason-Mitläufer hätte sich ein weiteres Mal im oberen Mittelfeld platziert – wenn er gedurft hätte.



Rauschen und Rappeln
Geräusche werden neben objektiven Lautstärke-Messergebnissen auch höchst subjektiv wahrgenommen. Eine Tonlage, die den einen stört, wird von einem anderen vielleicht sogar als angenehm wahrgenommen: Aus der vordersten Reihe eines Rockkonzerts wird kaum jemand weglaufen, ein Presslufthammer in der Ferne hingegen erhöht den Stresspegel. Das gilt natürlich auch für Reifen-Abrollgeräusche im Innenraum: gut erträglich oder schon störend? Unser Testfeld lag bei den objektiven Messungen eng beieinander und obwohl der gute Bridgestone Turanza 6 uns durch ein leichtes Grundrauschen auffiel, erzielte er objektiv den gemessenen Bestwert, dicht gefolgt vom ebenfalls leicht rauschenden Falken und dem dezent singenden Michelin, die in der Punktwertung gleichauf liegen. Es folgen der akustisch etwas präsentere Conti und der nochmals etwas lautere Nokian. Den Vogel abschießen konnte beim Thema Innengeräusch der außer Wertung angetretene Bridgestone Turanza AllSeason 6: Er lieferte den mit Abstand niedrigsten Messwert und erhielt trotz dezenter Einlenkgeräusche als einziger ein “sehr gut”.


Rein subjektiv wird dagegen der Abrollkomfort auf allgemein schlechten Fahrbahnen mit Schlaglöchern, beim Überfahren von Betonfugen oder auch auf Kopfsteinpflaster beurteilt. Hier sicherte sich der rundum sehr sanfte, komfortable Falken den Spitzenplatz und ein verdientes “sehr gut”. Es folgt mit “gut” der ebenfalls sehr angenehme Michelin mit seinem feinen Eigendämpfverhalten. Der Bridgestone Turanza 6 und der Conti teilen sich Punktwertung und Note “gut”, fühlen sich aber etwas härter an als die vor ihnen platzierten Kandidaten. Bleibt zuletzt der Nokian, der durch leichtes Nachvibrieren auf Stöße und eine etwas “rappelige” Eigendämpfung auf sich aufmerksam machte. Deshalb: nur ein “befriedigend”. Der mitgetestete Bridgestone All Season hätte sich hier erneut im oberen Mittelfeld platziert.
Fazit
Sommerreifen klar vorne

Was ist die Quintessenz dieses Sommerreifentests, der gleichzeitig auch ein System-Vergleich war? Reden wir nicht lange herum: Von Frühjahr bis Herbst haben reine Sommerreifen gegenüber den Ganzjahres-Pneus klar die Nase vorn. Die von immer mehr Autofahrern gewünschte 12-Monats-Universalität der AllSeasons zwingt hier zu spürbaren Kompromissen. Klar längere Bremswege auf nasser und insbesondere auf trockener Straße sowie Abstriche beim Handling sind der Preis für die Bequemlichkeit – und sollten zumindest zu einer angepassten, defensiven Fahrweise führen.

Beim Winter-Quercheck mit reinen Winterreifen sah das noch ganz anders aus. Hier glänzte der mitlaufende Ganzjahresreifen geradezu. Doch es ist der Sommer, der den Unterschied macht. Zudem sollte man wissen, dass die Leistungsfähigkeit der AllSeasons in der Regel mit besonders hohen (über 30 °C) sowie besonders tiefen Temperaturen (unter -15 Grad) rapide nachlässt.
Kommen wir zum eigentlichen Kern des Tests, der fünf topaktuelle Sommerreifen in einer sehr verbreiteten Dimension auf einem beliebten Mittelklasse-SUV beleuchtet. Fünf Sommer-Kandidaten, fünfmal die Note „gut“: Es zeigt, dass sowohl die Reifengiganten wie auch die etablierten übrigen Markenhersteller ihr Fach verstehen.
Mit winzigem Vorsprung ist der Conti der Sieger dieses Schaulaufens, doch denkbar knapp dahinter wissen die punktgleichen Falken und Nokian nicht minder zu gefallen. Michelin und Bridgestone müssen in geringem Maße Federn lassen, was die überzeugende Gesamtleistung aber nicht schmälert.
Kurzcharakteristika
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Einen Platz auf dem Siegertreppchen hat der Turanza Nummer sechs verpasst. Gerade in den punkteträchtigen Fahrsicherheitskapiteln Bremsen trocken und nass kann der Bridgestone nicht mit Bestwerten glänzen. Und auch auf dem trockenen Handling-Kurs bietet der Japaner nicht jene präzise Rückmeldung am Lenkrad, die Begeisterung hervorruft. Beim Nasshandling hingegen attestieren wir dem Bridgestone ein ausgewogenes Fahrverhalten bis hinein in den Grenzbereich. Angenehm auch in Komfort und Geräusch. Der Rollwiderstand ist top. Insgesamt ein guter Allrounder, der mehr durch Ausgewogenheit als Charakter überzeugt.
Wenn ein Reifen den Namen Altmeister verdient hat, dann der bereits 2020 erschienene Conti Premium Contact 7. Der Gewinner dieses Tests ist – neben dem kompromisslosen Nokian Tyres – vor allem ein Nässekönig. Sicher nicht nur, weil es in Niedersachsen so oft regnet. Bremsen und Handling auf feuchter Piste – das liegt dem Conti. Doch auch in sämtlichen anderen Disziplinen legt der Premium Contact mindestens eine gute Bewertung hin. So punktet er auch auf trockener Fahrbahn mit gelungener Rückmeldung am Volant, zeigt sich im Grenzbereich sicher und muss sich beim Bremsweg aus 100 km/h lediglich einem Mitstreiter (Falken) geschlagen geben.
Nicht zum ersten Mal setzt der zur Sumitomo-Gruppe zählende Hersteller Duftmarken bei unseren Reifentests. Der Falken erfüllt in der hier getesteten Kategorie Allround-Reifen nicht nur unerwartet hohe sportliche Ansprüche, sondern pointiert diese auch noch mit dem kürzesten Trocken-Bremsweg und mehr als brauchbarem Komfort. Gerade diese Kombination aus Sportlichkeit und akustisch wie mechanisch angenehmer Zurückhaltung im Alltag, gepaart mit auch sonst durch die Bank guten Ergebnissen, wuchtet den Ziex auf den zweiten Platz, wenngleich er sich diesen mit einem punktgleichen, wenn auch charakterlich anders auftretenden Mitbewerber (Nokian Tyres) teilen muss.
Der tapfer mitkämpfende Michelin hatte ob der in Teilen sehr starken Konkurrenz in diesem Test nicht eben den leichtesten Stand. Der vor allem für seine Gleichförmigkeit, Nachhaltigkeit und Langlebigkeit gerühmte Primacy 5 hat betont dort seine größte Anhängerschaft, glänzt erwartungsgemäß souverän beim Rollwiderstand. Damit dominiert man zwar keine Reifentests, und auch lässt der Franzose beim punkteträchtigen Trocken-Bremsen wertvolle Zähler auf der Piste. Das ist aber auch die einzige Schwäche des charakterstarken Franzosen, dem wir unterm Strich einen gelungenen Auftritt attestieren, was sich in der guten Gesamtbewertung niederschlägt.
Nehmen wir es vorweg: Der gerade erst vorgestellte, doch souverän auftretende Nokian Tyres ist klar der Überraschungs-Star dieses Tests. Nicht weniger als viermal heimst der Finne eine sehr gute Bewertung ein, und damit bei wirklich allen Nässe-Disziplinen. Diese überzeugende Nässe-Brillanz bietet sonst keiner, da gratulieren sämtliche Regengötter. Doch andererseits patzt der Powerproof 2 beim Trockenbremsen und enttäuscht auch ein wenig bei den Komfortkapiteln. Man könnte jetzt spekulieren: Hätte, ja hätte der Nokian trocken besser gebremst und wäre zudem noch etwas komfortabler, hätte er die Konkurrenz geradezu vom Platz gejagt. So aber bleibt ein mehr als überzeugender zweiter Platz. Wir ahnen: Da schlummert noch Potenzial.
Wieder einmal zeigt sich, dass – von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen – kein Reifen in allen Disziplinen ohne Fehl und Tadel daherrollt. Jeder Pneu hat seine Stärken und Schwächen. Wir nennen diese. Und wieder geben wir den Tipp, nicht nur nach Punkten eine Kauf-Entscheidung zu treffen, sondern das eigene Fahrprofil mit einzubeziehen. Es bleibt dabei: Der Kunde hat die berühmte Qual der Wahl.
Text: Dirk Vincken, Joachim Fischer
Fotos: Dirk Vincken


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