AAA-Label für neuen Nokian Tyres Powerproof E

Nokian Tyres bringt zur Sommersaison 2027 den brandneuen Powerproof E mit durchgehender Triple-A-Bewertung auf dem EU-Reifenlabel. Im Interview erklärt Entwicklungsleiter Samu Lepistö die technischen Zielkonflikte der Entwicklungsarbeit.
Nokian Tyres Powerproof E Sommerreifen

Herzstück des neuen Reifens ist die sogenannte Motion-Control-Technologie. Sie bringt drei zentrale Aspekte der Reifenleistung in Einklang – Energieeffizienz, Grip und strukturelle Stabilität. Profil, Laufflächenmischung und Konstruktion sind entsprechend aufeinander abgestimmt. Das Profil soll durch tiefe Längsrillen Wasser effektiv ableiten und Aquaplaning entgegenwirken. Geräuschoptimierte Schulterrillen und abgerundete Mittelrippen verteilen den Druck gleichmäßig über die Aufstandsfläche; steifere Schulterblöcke sollen die Stabilität auf trockener Fahrbahn verbessern.

Die Precision Grip Compound-Gummimischung ist auf niedrigen Rollwiderstand, Verschleißfestigkeit und Grip ausgelegt. Sie enthält Kieselsäure, unter anderem aus Reisschalenasche, sowie recycelten Industrieruß. Für die strukturelle Stabilität sorgen ein Stabilitätskern, größenabhängige Anpassungen an Karkasse und Stahlgürtel sowie optimierte Formgeometrien. Nokian Tyres zufolge sollen diese Elemente Verformung und Lastverteilung während der Fahrt steuern und zu gleichmäßigem Verschleiß sowie konstanter Leistung über die Lebensdauer beitragen.

Je nach Reifengröße liegt der Anteil recycelter und erneuerbarer Materialien bei 40,9 bis 42,8 Prozent. Alle Größen ab 17 Zoll verfügen über aramidverstärkte Seitenwände, die den Reifen im Alltag widerstandsfähiger gegen Stöße und Schnitte machen sollen. Ausgewählte Größen sind zudem mit der SilentDrive-Technologie ausgestattet, die Abrollgeräusche im Innenraum reduziert – ein Vorteil, der laut Hersteller besonders bei Elektroautos zur Geltung kommen kann.

Das Powerproof-E-Sortiment wird zum Marktstart in 19 Größen von 16 bis 20 Zoll und Geschwindigkeitsindizes von H (bis 210 km/h) bis Y (300 km/h) angeboten.

Interview

Zielkonflikte auflösen

Samu Lepistö, Development Manager bei Nokian Tyres im Gespräch mit „Die Reifentester“ zum neuen Nokian Tyres Powerproof E, dessen Entwicklung er federführend begleitete.

Samu Lepistö, Development Manager bei Nokian Tyres
Samu Lepistö ist Development Manager bei Nokian Tyres und verantwortet die Entwicklung nordischer unbespikerter Winterreifen sowie von ECO/Performance-Sommerreifen. Seit Anfang 2011 ist er in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Nokian Tyres tätig.

Ist der Nokian Tyres Powerproof E speziell für Elektro-Fahrzeuge entwickelt worden – der Name legt das nahe – oder kann dieser auch von klassisch per Verbrennungsmotor angetriebenen Automobilen gefahren werden?

Alle unsere Produkte, die wir im Sortiment haben, sind für alle verschiedenen Fahrzeugtypen entwickelt worden. Ob diese nun in Elektro-, Hybrid- oder Verbrennungsmotorfahrzeugen eingesetzt werden, spielt keine Rolle – sie wurden in allen möglichen Fahrzeugen getestet und haben sich bewährt.

Ersetzt der Nokian Tyres Powerproof E den Nokian Tyres Powerproof 2, der ja noch gar nicht lange auf dem Markt ist?

Nein, ganz und gar nicht. Der Nokian Tyres Powerproof 2 und der Nokian Tyres Powerproof E nehmen innerhalb der Powerproof-Familie unterschiedliche Positionen ein. Der Nokian Tyres Powerproof 2 ist unser Flaggschiff im UHP-Segment und wurde für Fahrer:innen entwickelt, die maximale Nassperformance, messerscharfes Handling bei hohen Geschwindigkeiten und Fahrpräzision erwarten. Der Nokian Tyres Powerproof E ergänzt das Sortiment mit einem klaren Fokus auf ausgewogene Alltagsperformance: Er vereint Bestwerte beim EU-Reifenlabel in den Kategorien Rollwiderstand, Nassgriff und Geräuschentwicklung und ist in einem gezielteren Größenspektrum erhältlich, vor allem in größeren Felgendimensionen. Gemeinsam decken beide Reifen unterschiedliche Kundenbedürfnisse und Einsatzbereiche ab.

 

Laufflächenprofil des Nokian Tyres Powerproof E

Wie beurteilen Sie die Tatsache, dass die meisten Elektrofahrzeuge deutlich schwerer sind als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor? Die Belastung für den Reifen ist doch ungleich höher.

Das ist eine gute Frage. Natürlich ist das Gewicht höher, aber auch das Schlupfverhalten der Reifen ist aufgrund der besseren Traktionskontrolle moderner Elektrofahrzeuge anders. Bei den Reifen für Elektroautos sind die neuen Modelle darauf abgestimmt, und wir sehen, dass es keinen großen Unterschied gibt.
Natürlich haben wir beispielsweise aus diesen Gründen Rollwiderstand, die Laufleistung und die Abriebfestigkeit sehr intensiv getestet. So haben wir beispielsweise Taxi- und Konvoi-Tests in Deutschland, Spanien, Frankreich, Finnland und Estland durchgeführt. Das ist ein wichtiger Teil unserer Entwicklung.

Wie wurde der Reifen für die höheren Drehmomente und Fahrzeuggewichte moderner Hybrid- und Elektrofahrzeuge (EV-Ready) ausgelegt?

Eine verschleißfeste Laufflächenmischung, eine steife Stahlgürtel- und Karkassenkonstruktion, eine gleichmäßigere Flächenpressungsverteilung durch abgerundete Mittelrippen sowie robuste Schulterblöcke sorgen dafür, dass der Reifen auch bei anspruchsvollen, schwereren Elektrofahrzeugen zuverlässig performt. Alle Nokian Tyres Powerproof E Reifen tragen die Kennzeichnung „Electric Fit®“ auf der Seitenwand – ein Hinweis darauf, dass der Reifen für Elektrofahrzeuge geeignet ist.

Technologie und Konstruktion des Nokian Tyres Powerproof E

Was war das Hauptziel bei der Entwicklung des neuen Nokian Tyres Powerproof E?

Mit dem Nokian Tyres Powerproof E haben wir eine Triple-A-Bewertung auf dem EU-Reifenlabel erzielt – das bedeutet Bestwerte in den Kategorien Rollwiderstand, Nassbremsen und Geräuschentwicklung. Dies haben wir über alle verfügbaren Dimensionen hinweg erreicht. Damit reiht sich der Nokian Tyres Powerproof E in die exklusive Gruppe von Reifen ein, bei denen alle oder nahezu alle Produkte der Reihe eine Triple-A-Bewertung aufweisen.

Rollwiderstandsoptimierung und kurze Nassbremswerte – das ist ein klassischer Zielkonflikt. Wie haben Sie das gelöst?

Korrekt, wenn man einen Bereich verbessert, verliert man häufig bei einem anderen. Jeder Reifen ist immer ein Kompromissprodukt zwischen Eigenschaften wie Rollwiderstand und Nassperformance. Wir konnten dies recht gut kompensieren durch Änderung der Laufflächenmischung, des Laufflächenprofils, der Konstruktion und Reifenkontur. So konnten wir beide gewünschten Eigenschaften auf ein höheres Niveau heben. Und wir haben festgestellt, dass wir im Vergleich zum Durchschnitt der Hauptkonkurrenten beim Fahrverhalten auf trockener und nasser Fahrbahn sowie insbesondere beim Aquaplaning besser abschnitten. Und wir mussten nicht einmal die Profiltiefe reduzieren.

Besonders hoch sind zum Beispiel die Anforderungen der Automobilhersteller an den Rollwiderstand der ab Werk montierten OE-Reifen.

Ja, es stimmt, dass die regulatorischen Anforderungen streng sind. Mit dem Nokian Tyres Powerproof E und seiner Triple-A-Bewertung auf dem Reifenlabel haben wir gezeigt, dass ein Reifenhersteller diesen Anforderungen von heute gerecht werden kann.

Wann realisierten sie zum ersten Mal: Oh, ich glaube, wir haben jetzt einen ziemlich guten Reifen am Start?

Nun ja, um ehrlich zu sein: Das Dreifach-Label-A war gar nicht das ursprüngliche Ziel, doch nach mehreren Testrunden haben wir festgestellt, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen. Wir sind sehr stolz, dies über alle 19 Dimensionen hinweg erreicht zu haben, in denen der Reifen erhältlich sein wird.

Was immer mehr in den Fokus rückt, ist das Problem der Toxizität des Reifenabriebs. Reifenabrieb gilt als die größte Mikroplastik-Quelle. Zudem ist der Abrieb ein Gemisch aus Kautschukpartikeln, Weichmachern und Ölen, aber auch Spuren von Blei, Cadmium und Kupfer. Zink reichert sich in Böden an und ist giftig für Bodenlebewesen und Wasserorganismen. Reifeningenieure stehen andererseits vor dem klassischen Zielkonflikt des „Magischen Dreiecks“: Nasshaftung, Rollwiderstand und Abriebfestigkeit stehen physikalisch in direkter Konkurrenz zueinander. Dennoch erhöht der regulatorische Druck – wie die Euro-7-Norm ab Ende 2026 – den Handlungsbedarf gerade hier massiv. Welche spezifischen chemischen oder konstruktiven Maßnahmen bei der Mischung sowie der Profilgestaltung wurden bei Nokian Tyres ergriffen, um den Partikelabrieb des Powerproof E zu minimieren, ohne Zugeständnisse bei der Nassbremsleistung zu machen?

Nokian Tyres stellt die optimale Performance seiner Reifen durch gezielte Gestaltungsdetails bei Profildesign, Reifenkonstruktion sowie Materialspezifikationen sicher. Auch reale Fahrzeugtests sind ein zentraler Bestandteil, um die bestmögliche Balance zwischen den verschiedenen Leistungsparametern der Reifen – einschließlich des Abriebverhaltens – zu finden.

Wir forschen und entwickeln kontinuierlich an alternativen Reifenmaterialien, die die Reifenperformance sicherstellen, ohne dabei Kompromisse bei der Sicherheit einzugehen – im Einklang mit dem Nachhaltigkeitsengagement unserer Branche. Nokian Tyres erfüllt die europäischen Vorschriften (REACH und CLP) sowie die jeweils geltende lokale Gesetzgebung. Nokian Tyres verwendet bei der Reifenproduktion keine krebserregenden Chemikalien oder besonders besorgniserregende Stoffe (Substances of Very High Concern, SVHC).

Auf welchen Testgeländen und unter welchen Nass- und Trockenbedingungen wurden die entscheidenden Abstimmungen vorgenommen?

Wir haben den Nokian Tyres Powerproof E vor allem auf unseren beiden Teststrecken entwickelt: auf dem Hakka Ring in Spanien, wo wir ganzjährig hervorragende Bedingungen für Nass- und Trockentests vorfinden, sowie im Nokian Tyres Testzentrum in der Nähe unseres F&E-Zentrums. Rollwiderstandsmessungen, Hochgeschwindigkeits-Trommeltests, Innengeräuschmessungen sowie weitere Indoor-Reifentests haben wir in unserem Indoor-Testzentrum in Nokia durchgeführt. Darüber hinaus wurden verschiedene Konvoi- und Taxitests zum Abriebverhalten der Reifen europaweit unter unterschiedlichen Bedingungen, Temperaturen und auf verschiedenen Straßenoberflächen durchgeführt.

Wo lagen die Schwerpunkte bei den Realtests, und welches Kriterium hat in den finalen Prototypen-Phasen die meiste Abstimmungsarbeit gefordert?

Energieverbrauch, Nassgriff, Geräuschentwicklung und Abriebfestigkeit standen im Fokus, dennoch blieb die Gesamtperformance des Reifens während des gesamten Vergleichs ein entscheidender Faktor. Da wir stets hohe Ansprüche an die Sicherheitsfaktoren unserer Reifen stellen, waren teilweise mehrere Entwicklungszyklen nötig, um die Rollwiderstandsklasse A über alle Größen hinweg zu erreichen.

Welcher Zielkonflikt im Pflichtenheft hat Ihnen und Ihrem Entwicklerteam bei diesem Projekt schlaflose Nächte bereitet – und wie sah der Durchbruch aus?

Die letzten Größen für die Triple-A-Bewertung zu finalisieren, war der anspruchsvollste Teil, doch wir haben eine hervorragende Entwicklungsbalance gefunden, die es uns ermöglicht hat, die üblichen Grenzen der Reifenentwicklung zu verschieben.

Einige Beispiele für solche Durchbrüche: So konnten wir durch den Erhalt einer signifikanten Profiltiefe in den Hauptrillen sowohl die Abriebfestigkeit als auch die Aquaplaning-Performance verbessern und gleichzeitig die Querrillen im Schulterbereich verschmälern, was deutliche Vorteile bei der Geräuschreduzierung brachte. Oder: Durch die präzise Abstimmung der Stahlgürtelbreite auf die Profilbreite konnten wir bei bestimmten Größen eine steifere Stahlgürtelkonstruktion einsetzen – das verbesserte die Handling-Eigenschaften und senkte gleichzeitig den Rollwiderstand.

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